CLBInternet für Chemie und Labor - Teil 10: Spektroskopie
Dr. Torsten Beyer, Saarbrücken
Chemie in Labor und Biotechnik 50 (1999) 382-384


Zu nahezu allen wissenschaftlichen Fachgebieten findet man inzwischen umfangreiche Informationsangebote im Internet. Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit dem Thema Spektroskopie (NMR, MS, IR, UV/Vis, AAS) und stellt einige kostenfreie Internetseiten vor.

Nach einer aktuellen Studie des NEC Research Institute [1] umfasst das frei zugängliche WWW (ohne Datenbanken und geschützte Dokumente) momentan ca. 800 Mio. HTML-Seiten, wovon immerhin 6 % ( = 48 Millionen) wissenschaftlicher Natur sind. Aber selbst über die besten Suchmaschinen wie AltaVista oder HotBot sind nur noch ca. 16 % aller Seiten zugänglich, vor einem Jahr waren es immerhin noch ca. 33 %. Der Grund für diese deutliche Verschlechterung der Trefferquote ist der, dass die Roboter der Suchmaschinen die explosionsartige Zunahme der Zahl der HTML-Seiten und deren Dynamik nicht mehr beherrschen können. Ihre Kapazitätsgrenze ist mittlerweile erreicht. Diese Situation ist natürlich sehr unbefriedigend, da man viele Seiten gar nicht mehr finden kann, wenn man sich auf nur eine Suchmaschine beschränkt. Es wird daher immer wichtiger, gute Einstiegspunkte in ein Themengebiet zu kennen bzw. gezielt nach solchen zu suchen, da man dort oft qualitativ höherwertigere und vielfach auch kommentierte Verweise findet.


Suchmaschinen und Indizes

In Tab. 1 ist die Zahl der Treffer, die man mit unterschiedlichen Suchmaschinen und Indizes bei einer Recherche nach dem Wort "Spektroskopie" findet, zusammengefasst. Überraschend gering ist die Zahl der Treffer in Yahoo; dieser Index ist, wie die meisten anderen auch, für spezielle Fragestellungen weitgehend ungeeignet. In diesen Fällen sind Suchmaschinen die erste Wahl, obwohl man auch dort mit Problemen zu kämpfen hat wie beispielsweise die geringe Relevanz vieler Treffer oder die Auflistung nicht mehr gültiger Links.


Tabelle 1: Trefferzahl bei der Suche nach dem Wort "Spektroskopie

Suchdienst Trefferzahl URL
AltaVista 8100 http://www.altavista.com
Fireball 6800 http://www.fireball.de
anavista >1000 http://www.anavista.de
Yahoo 7 http://www.yahoo.de


Die Zahl der Treffer lässt sich noch um ein Vielfaches durch die Verwendung des englischen Worts "spectroscopy" (140 000 Treffer in AltaVista) oder den Einsatz von Metasuchmaschinen wie MetaCrawler (http://www.metacrawler.com) für internationale Recherchen und MetaGer (http://www.metager.de) für Recherchen in deutscher Sprache erhöhen. Über MetaCrawler sind der NEC-Studie zufolge immerhin 43 % aller Seiten im WWW zugänglich; über MetaGer sind es nach Angaben des Betreibers 90 % aller deutschsprachigen Seiten.

Insbesondere neue Suchdienste wie z. B. anavista, die sich auf den Bereich Analytische Chemie spezialisiert haben, sind inzwischen durchaus eine Alternative zu den "Generalisten" wie AltaVista und Fireball geworden. Man findet zwar (noch) weitaus weniger Treffer, diese sind aber in der Regel von höherer Qualität und Relevanz.


Einstiegspunkte

Wegen der geschilderten Probleme bei der Recherche in Suchmaschinen wird das Aufspüren von so genannten Leitseiten oder "Portalen" für spezielle Fachgebiete zunehmend wichtiger. Es stellt sich aber immer dann die Frage nach der Aktualität solcher Seiten und nach den Motiven und der Objektivität der Betreiber. In Tab. 2 sind einige solcher Einstiegspunkte für Spektroskopiker zusammengefasst, die entweder von staatlichen Behörden, Forschungseinrichtungen oder Verlagen angeboten werden, und damit im Gegensatz zu fast allen Suchmaschinen (noch) nicht kommerzialisiert wurden. Dort findet man auch viele Verweise zu kostenfreien Spektrendatenbanken, die besonders wertvoll sind, da fast alle Suchmaschinen noch keine Abfragemöglichkeit für Datenbanken besitzen, d.h. man muss erst die URL einer Datenbank kennen, um dann direkt dort zu recherchieren.


Tabelle 2: Einstiegspunkte für Spektroskopiker im Internet

NIST Chemistry Webbook
10.000 Massenspektren, 7.500 IR-Spektren, 3000 Elektronenspektren, 400 UV-Spektren
Spectroscopy on net (Uni Potsdam)
1H/13C-NMR, IR, MS (Datenbanken mit Peaklagen)
NIST Atomic Spectroscopic Database
Ionisierungsenergien inkl. Literaturangaben
TeleSpec (Computer Zentrum Erlangen)
IR-Spektrendatenbank + Spektrensimulation
Base Peak (Mass Spectrometry Resources von Kermit Murray) [2]
umfassende Linksammlung (Arbeitsgruppen, Anbieter, Software, Literatur u.v.m.)
Spectroscopy ON-LINE
Links (AAS, IR/NIR, MS, UV/VIS)
Buyersguide mit über 400 Herstellern, Tagungskalender, News


Das Highlight schlechthin ist das NIST Chemistry Webbook. Hier findet man nicht nur Tausende von Spektren und zusätzliche chemische und physikalische Daten, über ein Java-Applet kann man mit Hilfe der Maus sogar einzelne Bereiche eines Spektrums zoomen.

Das Projekt TeleSpec ist eine der interessantesten Adressen, wenn es um IR-Spektren geht. Neben einer kostenfrei zugänglichen Spektrendatenbank kann man auch Spektren unbekannter Verbindungen online simulieren lassen.

Die Seiten von Kermit Murray "Base Peak" [2] stellen wohl die umfassendste Sammlung von Links für den Bereich Massenspektroskopie überhaupt dar. Hier findet man neben einer Liste von Arbeitsgruppen auch ein Verzeichnis von Geräteherstellern, Zubehör und Software sowie Literaturstellen zum Thema und Verweise zu weiteren Quellen.

Schließlich ist noch die Seite nmr.de als wichtigste Einstiegsadresse zum Thema NMR-Spektroskopie erwähnenswert. Was man hier zu diesem Thema nicht findet, gibt es sehr wahrscheinlich im Internet nicht.

Die Seite Spectroscopy ON-LINE bietet neben zahlreichen Hyperlinks u.a. einen Veranstaltungskalender sowie einen umfangreichen Lieferantenverzeichnis von spektoskopischen Geräten und Zubehör. Viele weitere kommentierte und bewertete Quellen findet man z. B. in analytik.de (Tabelle 1) oder in [3].

Erwähnt werden sollen an dieser Stelle auch die zahlreichen kostenpflichtige Ressourcen. Umfassende und vollständige Recherchen sind natürlich nur in kommerziellen Datenbanken wie beispielsweise SpecInfo (URL:http://www.chemicalconcepts.com) oder im Beilstein (URL:http://www.beilstein.com) möglich. Daneben bieten einige Gerätehersteller und kleinere Unternehmen spezielle Spektrendatenbanken an. Einen guten Überblick dazu findet man unter der URL http://www.lohninger.com/spectroscopy/.


Zusammenfassung:

Die vorgestellten Adressen stellen nur einen sehr kleinen Ausschnitt des tatsächlich verfügbaren Materials zum Thema Spektroskopie im Internet dar. Sie eignen sich aber sehr gut als Ausgangspunkte für weiter gehende Recherchen.

Spektroskopische Daten werden im Internet heute vermehrt in speziellen Austauschformaten (z. B. JCAMP-DX, URL: http://wwwchem.uwimona.edu.jm/software/jcampdx.html) abgelegt und nicht mehr einfach nur als Grafiken. So kann man z. B. über geeignete Recherchetools gezielt nach Peaklagen suchen, was bei einem gif-Bild natürlich unmöglich ist. Zur Darstellung der Spektren im Browser wird entweder ein Java-Applet geladen, oder man muss eine kleine Zusatzsoftware, ein so genanntes Plug-In, installieren. Das wichtigste Plug-In für die Darstellung von Spektren und Strukturen trägt den Namen "ChemScape Chime" und kann auf der Homepage von MDL Information Systems kostenlos heruntergeladen werden (URL: http://www.symyx.com/support/developer/chime). Da es noch einige weiteren Formate gibt und viele Spektren leider nur als Grafik abgelegt sind, bleibt hier noch viel Arbeit, um übergreifende Recherchemöglichkeiten zu schaffen. Das Potential dazu ist im Internet auf jeden Fall vorhanden!


Literatur

[1] Accessibility of information on the web: S. Lawrence, C.L. Giles, Nature 400(8) (1999) 107-109.
[2] Internet Resources for Mass Spectrometry: K.K. Murray, J. Mass Spectrom. 34 (1999) 1-9.
[3] Das Internet als Informationsquelle für den Analytiker: T. Beyer, A. Roth, in: Analytiker-Taschenbuch Band 20, Springer-Verlag Berlin Heidelberg (1999), S. 291-307.

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