Internet in Chemie und Labor

Dr. Torsten Beyer, Saarbrücken

Nachr. Chem. Lab. Tech. Suppl. Vol. 45 (1997) 18-21


In vielen Unternehmen und Laboratorien herrscht derzeit eine starke Unsicherheit über die künftige Bedeutung des Internet und seine Auswirkungen im geschäftlichen Umfeld. Einerseits bieten sich verlockende Möglichkeiten, andererseits hält die unüberschaubare, teilweise minderwertige und in der Regel schlecht auffindbare Information sowie die galoppierende technologische und inhaltliche Entwicklung die Unternehmen oft von einem Internet-Engagement ab. Die gravierenden Vorteile sind für viele (noch) nicht erkennbar, oft fehlt auch das nötige Grundwissen zum Verständnis der neuen Technologie. Überdies verhindert das Fehlen eines sicheren und breit akzeptierten elektronischen Zahlungsverkehrs bislang weitgehend die Entwicklung höherwertiger Web-Angebote und die Online-Vermarktung von Produkten. Als gordischer Knoten ist auch das Misstrauen vieler Entscheidungsträger gegenüber den eigenen Mitarbeitern zu sehen, daß diese einen Internetzugang missbräuchlich nutzen könnten. Die typischen beruflichen Internetnutzer sind heute jüngere Fach- und Führungskräfte.

Welche Möglichkeiten bietet das Internet heute für Chemiker und Laboratorien und wie werden sich die Nutzungsmöglichkeiten des Internet in den nächsten Jahren entwickeln?

Grundsätzlich ist eine geschäftliche Nutzung des Internet insbesondere unter folgenden Aspekten interessant:

  1. Kommunikation mit Auftraggebern, Mitarbeitern und Lieferanten (Internet oder Intranet)
  2. Informationsbeschaffung und Recherche
  3. Marketing und Akquisition
  4. Handelstransaktionen

Im folgenden werden die verschiedenen Möglichkeiten im einzelnen angesprochen.


1. Kommunikation

Der Austausch von elektronischen Briefen (=electronic mail, kurz E-Mail) zählt zu den ältesten und beliebtesten Diensten des Internets, da sich sehr preisgünstig und schnell Texte und bei entsprechender Software auch Multimedia-Dokumente an ausgewählte Empfänger oder Empfängergruppen in aller Welt zu jeder Tageszeit versenden lassen. Benötigt wird dazu nur ein Internet-Anschluss, ein E-Mail-Programm (im einfachsten Fall ein Browser) und eine eigene E-Mail-Adresse. Außerdem muß die Empfängeradresse bekannt sein. Die größten Probleme der elektronischen Post liegen darin, daß der Absender keine Bestätigung erhält, ob der Empfänger die Mail auch gelesen hat, daß unverschlüsselte Mails abgehört werden können und daß es noch keine brauchbaren Listen ähnlich zu Telefonbüchern für E-Mail-Adressen gibt. Kann eine Mail nicht zugestellt werden, so erhält der Absender sie zurück. Zur Verschlüsselung geheimer Daten sind verschiedene Programme auf dem Mark, wie zum Beispiel Pretty Good Privacy.

Weiterentwicklungen des E-Mail-Dienstes sind sogenannte News-Gruppen und elektronische Listen. Newsgruppen kann man mit einem Schwarzen Brett vergleichen, an dem man weltweit Nachrichten hinterlassen kann, die jeder lesen kann und auch eine direkte Kontaktaufnahme mit dem Inserenten ist per E-Mail möglich. Im Bereich der Chemie gibt es über 60 solcher News-Gruppen zu bestimmten Themen (z.B. news:sci.chem.labware), insgesamt gibt es im Internet über 7000 solcher Gruppen zu allen denkbaren Themen. Der Zugang erfolgt am einfachsten über öffentliche News-Server mit Hilfe eines Browsers, es gibt aber auch zahlreiche News-Reader auf dem Markt.

Elektronische Listen sind themenbezogene Diskussionsforen im Internet, die man über E-Mail abonnieren kann. Jeder Abonnent hat die Möglichkeiten, kurze Beiträge zu schreiben und Anfragen anderer Teilnehmer der Liste zu beantworten, und bekommt auch alle Beiträge zu der Liste weltweit per Mail zugeschickt. Im Unterschied zu News-Gruppen können nur Teilnehmer der Liste Beiträge verfassen. Solche Foren können sehr wertvoll sein, da man hier weltweit Spezialisten finden kann, denen man Fragen stellen und auch antworten kann. Es gibt mehr als 80 solcher Listen im Bereich der Chemie (z.B. SAFETY beschäftigt sich mit Laborsicherheit), insgesamt gibt es mehr als 70000 Listen weltweit. Online Tips zu News-Gruppen und elektronischen Listen finden sich in Tab. 1.


URL Beschreibung

http://www.dejanews.com

Suchmaschine für News-Gruppen

http://acad.tnstate.edu/~chemnet/news.html

Liste chemierelevanter News-Gruppen

http://www.liszt.com

Suchmaschine für Mailing-Listen
http://bionmr1.rug.ac.be/chemistry/overview.html Liste chemierelevanter Mailing-Listen

Tab. 1 : Links zu News-Gruppen und elektronischen Listen


Bisher noch wenig eingesetzt, wird manche Dienstreise zukünftig durch Bildtelefone und Videokonferenzen eingespart werden können. Typische Einsatzmöglichkeiten sind internationale oder zumindest standortübergreifende Projektsitzungen. Der Hauptvorteil ist neben der Kosten- insbesondere die Zeitersparnis, da einerseits Reisezeiten wegfallen und andererseits adhoc-Meetings bei Bedarf stattfinden können. Dabei muß der Arbeitsplatz nicht mehr verlassen werden, da die Kamera auf dem PC sitzt.

Die Internet-Telefonie wird bisher wegen der sehr geringen Gebühren mehr propagiert als wirklich eingesetzt. Das private Ferngespräch nach Australien in verminderter Qualität und mit zeitlichen Unterbrechungen ist mit geschäftlicher Nutzung nicht zu vergleichen. Für eine Akzeptanz bei geschäftlicher Nutzung müssen noch einige Verbesserungen abgewartet werden:

  • bessere Tonqualität
  • Unterbrechungsfreiheit
  • PC zu Telefon muß möglich sein, nicht nur PC zu PC

In Chemie und Labor können sich daraus viele Möglichkeiten ergeben:

Kunden erteilen Laboratorien ihre Untersuchungsaufträge per e-mail, bei Betriebslaboratorien über ein Intranet, oder geben den Auftrag via Internet direkt in ein LIMS ein, so daß eine manuelle Übertragung entfällt und eine sofortige Arbeits- und Kapazitätsplanung stattfinden kann. LIMS-Anbieter arbeiten wie andere Datenbankanbieter auch mit Hochdruck an entsprechenden Internet-Schnittstellen. Leider lassen sich Analysenproben auf absehbare Zeit noch nicht als Attachment zur e-mail versenden!

Forschungsprojekte mit Spezialisten an verschiedenen Standorten können wesentlich leichter koordiniert werden und werden dadurch produktiver und schneller. Ein zentraler Informationspool auf einem Webserver hält alle Teammitglieder auf dem aktuellen Stand.

Globale Entwicklungsprojekte lassen sich beschleunigen, indem ein rotierendes Schichtsystem eingeführt wird, bei dem das europäische Entwicklerteam abends das Staffelholz nach Nordamerika übergibt, um am nächsten Morgen aus Asien die Vorlage zu erhalten. Dieses Prinzip ist aber in Ingenieur- oder Softwareprojekten leichter umsetzbar als in der Chemie.

Auftraggeber erhalten Ergebnisberichte ohne Zeitverzug und Medienbruch in ihr EDV-System eingespielt. Eine Verzögerung durch Ausdrucken und Versenden entfällt dadurch. Komplexere Tabellen oder Zahlenreihen müssen nicht manuell übertragen, sondern können sofort weiterverarbeitet werden. Zeitaufwand, Personalkosten und Fehlermöglichkeiten können so drastisch reduziert werden.

Büroarbeit wird ortsunabhängig. Der Laborleiter kann zuhause oder im Hotel an einem Bericht arbeiten und dazu nötige Programm- oder Datenfiles vom Firmenrechner downloaden, den Entwurf dem Vorgesetzten elektronisch vorlegen, um nach einem (Bild)telefonat mit diesem die endgültige Fassung zu erstellen und dem Kunden zu überspielen, ohne deshalb zum Arbeitsplatz zurückkehren zu müssen.


2. Informationsbeschaffung

In der Recherche von Informationen sehen Wissenschaftler und Ingenieure oftmals den größten Nutzen für ihre Arbeit. Zur Informationsbeschaffung im Internet bieten sich neben den oben erwähnten elektronischen Listen und Newsgruppen das in den letzten Jahren sehr stark expandierende World Wide Web (WWW) an. Dokumente im WWW werden in der plattformunabhängigen Dokumentbeschreibungssprache HTML (HyperText Markup Language) geschrieben. Der große Vorteil des WWW ist die Tatsache, daß vollkommen plattformunabhängig nicht nur Texte, sondern auch Grafiken, Sounds und Videos bei entsprechender Soft- und Hardware übertragen und auch komplexe interaktive Elemente wie Datenbankabfragen, Diskussionsforen und Bestellformulare integriert werden können.


Suchmaschine Trefferzahl bei der Suche nach  
  "Chemie" "Umwelt" "Analytik" Gesamt
AltaVista 210140 196610 12400 419150
HotBot 59226 46198 4204 109628
Fireball 44875 55181 4115 104171
Excite 43230 35875 2982 82087
Infoseek 30443 23181 2103 55727

Tab. 2: Die 5 Suchmaschinen mit den meisten laborrelevanten
Dokumenten im Internet, Stand: 01.08.1997


Es gibt im WWW sowohl kostenlose als auch in zunehmendem Maße kostenpflichtige Angebote. Kostenlose Recherchen sind mit sogenannten Suchmaschinen möglich. Diese werden in der Regel durch Werbeeinblendungen finanziert und bieten dafür Zugang zu vielen Millionen Internet-Quellen, die mit Hilfe eigener Suchsprachen durchsucht werden können. Man unterscheidet Roboter, die das Netz selbständig durchsuchen und Seiten durch Indexgenerierung suchbar machen (Tab. 2) und Indizes, in denen die Seiten kategorisiert und teilweise auch bewertet werden (Tab. 3). Roboter bieten teilweise Zugang zu mehr als 50 Millionen Internet-Seiten, es ist aber schwierig, die wirklich interessierenden Seiten durch Formulierung geeigneter Suchanfragen herauszufiltern. Indizes bieten in der Regel hochwertigeres Material, die Zahl der Seiten ist allerdings gerade bei sehr spezialisiertem Wissen sehr gering. Bewertungsdienste sind Indizes, in denen einzelne Seiten aufgrund eigener Kriterien bewertet werden.


URL Beschreibung
Yahoo Web-Index
Lycos Web-Index + Top 5% of the Net
Argus Clearinghouse Besprechungsdienst Argus Clearinghouse
Magellan Magellan Internet Guide (größter Besprechungsdienst)

Tab. 3: Indizes und Besprechungsdienste


Daneben gibt es inzwischen immer mehr Linksammlungen und Spezialindices zu praktisch allen Bereichen, wie z.B. LabOnline im Umfeld Chemie und Labor (Tab. 4). Weitere wichtige Informationsquellen sind die Kataloge zahlreicher Universitätsbibliotheken, die inzwischen online verfügbar sind und auch die Home-Pages vieler Firmen, Behörden und Organisationen, die Produktinfos und teilweise sogar ihre komplette Angebotspalette im WWW präsentieren.


URL Beschreibung
Chemie.de Deutsche Linksammlung Chemie
LabInternet Neue Laborprodukte (US Markt)
Rolf Claessen's Chemie-Index Chemie-Links

Tab. 4: Spezialindizes Chemie und Labor


Auch im Bereich der wissenschaftlichen Publikationenen steht eine Zeitenwende bevor. Die Veröffentlichung in Print-Zeitschriften und deren Bereitstellung in Bibliotheken stößt zunehmend an Kapazitäts- und Finanzierungsgrenzen. Direkte Publikation im Internet ist schneller, kostengünstiger und besser recherchierbar, stellt aber Redaktionen, Verlage und Bibliotheken vor neue, teilweise existenzbedrohende Fragen.

Nach wie vor stehen die zunehmende Informationsfülle und die schlechte Auffindbarkeit durch Fehlen eines zentralen Registers sowie die oftmals geringe Informationsqualität infolge totaler Demokratisierung der Informationsbereitstellung und fehlender Selektions- bzw. Filtermechanismen einer sinnvollen und wirkungsvollen geschäftlichen Nutzung des Internet im Wege.

Es ist aber zu erwarten, daß sich mit der Möglichkeit elektronischer Zahlungsabwicklung die Spreu vom Weizen trennen wird. Wie in der realen Welt auch werden im Cyberspace inhaltlich wertvolle Informationen nicht unentgeltlich zu haben sein, sofern nicht riesige Zielgruppen angesprochen werden und damit eine Finanzierbarkeit über Werbung gegeben ist. Eine Ausnahme bilden hier gesetzliche und behördliche Informationsquellen, die in den USA schon heute in beeindruckendem Umfang verfügbar sind. Beispiele sind die Arznei- und Lebensmittelbehörde FDA, die Umweltbehörde EPA sowie die Patentbehörde.

Neben diesen kostenlosen Zugängen bieten die großen Datenbankanbieter wie z.B. STN, DIMDI, DIALOG und GENIOS inzwischen einen kostenpflichtigen Zugang zu unzähligen fachbezogenen Publikationen über eine WWW-Schnittstelle an, die Funktionalität ist allerdings eingeschränkt gegenüber den üblichen TELNET-Verbindungen. Daneben gibt es vermehrt Dokumentbeschaffungsdienste, über die Artikel aus Fachzeitschriften und Bücher direkt bestellt werden können. Viele Zeitschriften können inzwischen auch online gegen Gebühr abgerufen werden, die Inhaltsverzeichnisse können in der Regel kostenlos durchsucht werden (Abonnement von Zeitschriften oder Pay on Demand).


3. Marketing

Der klassische Einstieg ins Internetmarketing ist die Einrichtung einer eigenen Homepage. Übersehen wird dabei aber oft, daß alleine die Existenz einer Homepage nicht dazu führt, daß diese auch bekannt wird. Erst die Eintragung in wichtige Suchmaschinen, das Setzen von Links in anderen Webseiten auf das eigene Angebot, und nicht zuletzt die konventionelle Bekanntmachung über Printmedien und Geschäftskorrespondenz bringen die erwünschte Resonanz.

Wichtig ist, daß das Internet als Medium mit neuen Möglichkeiten erkannt wird und nicht nur eine gescannte Firmenbroschüre als Homepage verkauft wird.

So sollte beispielsweise ein Auftragslabor darüber nachdenken, welchen Zusatznutzen es seinen Kunden bieten könnte. Beispielsweise könnte eine aktuelle branchenspezifische Sammlung von Informationsquellen und Texten wie Online-Zeitschriften, Verordnungen, Richtlinien u.ä. auch für den Auftraggeber interessant sein. Die Vorstellung der Ansprechpartner mit Foto, Durchwahl und e-mail kann ebenfalls die Kundenbindung verbessern.

Wichtig für eine wirksame Internetpräsenz ist auch die Internet-Adresse, unter der die Homepage zu finden ist. Ist diese so kompliziert, daß selbst die eigenen Mitarbeiter sie nicht behalten können, so ist dies ein schlechtes Zeichen. Ideal ist eine eigene "Domain" nach dem Schema www.firmenname.de bzw. www.firmenname.com. Wer zu spät an die Sicherung der eigenen Domain denkt, den bestraft das Leben, denn jede Internetadresse muß weltweit eindeutig sein und kann deshalb nur einmal vergeben werden.

Neben der eigenen Homepage können aber auch weitere Engagements im Internet sinnvoll sein. Die Entwicklung von elektronischen Foren (Marktplätzen), auf denen Informationen gehandelt werden, ist ein aktueller Trend, der in allen Bereichen zu beobachten ist. Je bekannter ein solcher Marktplatz ist, desto wichtiger ist die Präsenz des eigenen Unternehmens darin. Ein typisches Zukunftsszenario könnte sein, daß die eigene Homepage längst zur Selbstverständlichkeit geworden ist und daß jedes Unternehmen je nach Tätigkeitsbereich und Zielgruppe in entsprechenden Foren durch Texteintrag oder Bannerwerbung mit Link auf die eigene Homepage vertreten ist.

Das Internet wird in Zukunft noch viel stärker als bisher als Marketing- und Akquisitions-Instrument eingesetzt werden, da es dafür ideale Voraussetzungen bietet. Ein Angebot im Netz ist rund um die Uhr weltweit verfügbar, man kann sehr schnell auf den Markt reagieren, da die Seiten jederzeit geändert werden können. Durch interaktive Elemente (direkter Kontakt über E-Mail, Online-Bestellungen, Online-Suche in Produktkatalogen) wird eine ganz neue Qualität des Kontakts zwischen Anbieter und Kunde erreicht. Dies ist in der Regel billiger als der übliche Briefverkehr und das Versenden von Prospekten. Hier sind uns aber viele andere Länder weit voraus, da in Deutschland immer noch eine gewisse Abwehrhaltung gegenüber dem neuen Medium besteht und vielerorts die Möglichkeiten des Internet unterschätzt werden.


4. Handelstransaktionen

Allen Prognosen zufolge werden sich die Online-Umsätze in den nächsten Jahren vervielfachen. Dabei sind zwei Fälle zu unterscheiden:

A) Online-Bestellung + Online-Lieferung

Dies ist natürlich nur möglich, wenn die gelieferte Ware Information im weitesten Sinne ist. Beispiele für internettaugliche Produkte sind Software, Literatur, News, Dokumente aller Art oder Datenbankabfragen.

Da der Anbieter das Produkt nur einmal bereitstellt und der gesamte Bestell- und Liefervorgang ohne Personalaufwand auf Anbieterseite abgewickelt wird, ergeben sich enorme Einsparpotentiale, aber damit natürlich auch arbeitsmarktpolitische Effekte.

B) Online-Bestellung, Lieferung konventionell

Dieser Fall bleibt sicher der häufigere und ist grundsätzlich auf alle Produkte anwendbar. Weitgehend durchgesetzt haben sich z.B. Buchbestellungen per Internet (www.telebuch.de), aber auch der Laborhandel folgt dieser Entwicklung (www.fisher.de). Die besonderen Vorteile der elektronischen Bestellung liegen für den Käufer in der Unabhängigkeit von Ort und Zeit (weltweiter Zugriff von jedem Internet-PC zu jeder Zeit), für den Anbieter in Personal- und Kosteneinsparungen, da die Bestellung direkt digital in das eigene DV-System eingespeist werden kann.

Absetzbar über das Internet sind insbesondere standardisierte Produkte, bei denen der Käufer schon im Vorhinein beurteilen kann, was er kauft. Dies führt bei "Commodities" - egal ob es sich um Winterweizen oder Anilin handelt - zur Möglichkeit elektronischer Börsen, in denen Angebot und Nachfrage direkt ausgeglichen werden können. Erste Schritte in diese Richtung sind in den USA schon gemacht worden.

Mittelfristig werden auch Preisvergleiche über entsprechende Agenturen wesentlich leichter möglich sein, so daß sich global und branchenübergreifend der Wettbewerb infolge höherer Markttransparenz verschärfen wird.

Das Anbieten und Verkaufen eigener Produkte kann über ein in die eigene Homepage integriertes Bestellsystem erfolgen. Die erforderlichen Softwarelösungen entwickeln sich wegen des gigantischen Marktes sehr rasch, so daß der Sinn von Eigenentwicklungen fraglich ist. Alternativ können Online-Shops als elektronische Vertriebswege genutzt werden, so daß sich analog zum klassischen Handel immer mehr virtuelle Einkaufsstätten etablieren werden. Entscheidend für deren Erfolg wird neben dem Produktangebot und den Preisen nicht mehr die räumliche Nähe zum Kunden sein, sondern Bedienungskomfort und Bekanntheit bei der Zielgruppe.

Der Online-Handel wird also sehr viel stärker zielgruppenorientiert und individualisiert sein.


Ausblick

Das Internet bietet Zugang zu gewaltigen Informationsmengen. Die explosionsartige Entwicklung des WWW hat sogar die kühnsten Prognosen übertroffen und ein Ende des Booms ist nicht abzusehen. Nie war es technisch so einfach und schnell möglich, an beliebige Informationen rund um den Globus heranzukommen. Zweifellos kann die inhaltliche Entwicklung mit diesem technischen Quantensprung noch nicht Schritt halten. Die Verbesserung der Qualität und die Optimierung des (geschäftlichen) Nutzens wird eine wichtige Aufgabe der nächsten Jahre sein.

Aber auch dann wird ein sinnvoller Umgang mit dem Medium Internet einige Kenntnisse voraussetzen, um sich im Dickicht des Informationsdschungels schnell und sicher zurechtzufinden. Hier liegt ein gewaltiger Informations- und Fortbildungsbedarf für Mitarbeiter und Manager in fast allen Unternehmen, da es sich heute niemand mehr leisten kann, die Möglichkeiten des Internet zu ignorieren, ohne seine Konkurrenzfähigkeit mittel- und langfristig aufs Spiel zu setzen.

Erfahrungen im professionellen und effizienten Umgang mit dem Internet, dem globalen Informations- und Wissensspeicher der Zukunft, werden in weniger als 10 Jahren für jeden Ingenieur oder Wissenschaftler genauso selbstverständlich sein wie PC-Kenntnisse dies heute sind.

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