Wege zur eigenen Homepage: Tips zur Planung und Realisierung von Internet-Auftritten (LABO 03/1998)

Dr. Torsten Beyer, Dr. Beyer Internet-Beratung

Das Internet hat sich binnen weniger Jahre zu dem globalen Kommunikations-
medium entwickelt. Im 21. Jahrhundert wird Information zum vierten großen Wirtschaftsfaktor neben Arbeit, Kapital und Rohstoffen werden. Wer daher jetzt in dieses neue Medium mit großem Entwicklungspotential einsteigt, kann sich heute schon entscheidende Wettbewerbsvorteile für die Zukunft verschaffen. Dabei besitzen wir durch gut ausgebaute und schnelle Telefonnetze bereits eine sehr gute Infrastruktur für den Start ins Informationszeitalter. Viele Firmen, insbesondere mittelständige, stehen dem Medium Internet jedoch immer noch sehr abwartend und skeptisch gegenüber. Der vorliegende Beitrag zeigt die Möglichkeiten des neuen Mediums auf und gibt Hilfestellungen bei Planung und Umsetzung einer eigenen Web-Präsenz.


Motivation

Das Internet ist überall auf der Welt rund um die Uhr "geöffnet" und immer mehr Menschen können direkt durch dieses Medium angesprochen werden. Darüber hinaus können immer die aktuellsten Produkt- und Firmeninfos im Internet verfügbar gemacht werden, und dies viel schneller und kostengünstiger als über die konventionellen Medien. Durch Interaktion und Kommunikation mit Besuchern der Homepage können neue Kunden akquiriert und alte Kunden durch besseren Service und Mehrwertdienste gebunden werden.


Projektplanung

Wer ins Internet einsteigen will, sollte ein solches Engagement sehr sorgfältig planen. Es stellen sich fünf zentrale Fragen (die 5 Ws):

  • Wer bin ich?
  • Warum will ich ins Netz?
  • Was will ich präsentieren?
  • Wem will ich etwas präsentieren?
  • Wie will ich dies tun?

Die Antworten auf diese Fragen beeinflussen entscheidend die Gestaltung des Angebots. Handelt es sich um eine Firma, die sich aus Image- oder Wettbewerbsgründen auf einer eigenen Homepage präsentieren will, oder soll der komplette Produktkatalog ins Internet gestellt werden mit kompletter online-Bestellmöglichkeit. Handelt es sich um eine Organisation, die ihre Mitglieder im speziellen oder auch nur die Allgemeinheit über bestimmte Dinge informieren will, oder will jemand eine Online-Datenbank betreiben, die man gegen Gebühr abfragen kann. Eine Datenbankanbindung ist relativ teuer, bietet aber bei umfangreichen Produktverzeichnissen einen echten Mehrwert für den Nutzer. Dies sind nur einige Beispiele für unterschiedliche Zielsetzungen bei einem Internetauftritt, die vorher sehr klar definiert werden sollten.

Mit die wichtigste Frage ist dann das "Wie?": Will ich meine Homepage mit den neuesten Features ausstatten, oder will ich, daß die Besucher möglichst schnell und mit allen gängigen Browsern an Informationen herankommen. Die erste Variante kommt sicher für Computerfirmen und Grafiker in Betracht, die damit ihre Kompetenz unter Beweis stellen können, ist aber wegen Kompatibilitätsproblemen nicht unbedingt zu empfehlen. Die Frage nach der Sprache ist auch wichtig, da über das Internet global Informationen ausgetauscht und angeboten werden können. Der Lieferant von Spezialchemikalien in alle Welt wird sein Angebot sicher in Englisch oder evtl. auch mehrsprachig anbieten, während dies für ein regional orientiertes Umweltlabor sicher nicht erforderlich ist. Es ist auch wichtig, zu beachten, daß die Homepage ein durchdachtes Navigationskonzept hat. Es sollte von jeder Seite einen Link zurück zur Homepage geben. Stark verschachtelte Navigationsstrukturen mit vielen Ebenen erleichtern nicht unbedingt die Orientierung. Außerdem sind mehr als 3 Frames pro Seite einfach zu viel. Ziel sollte immer sein, daß der Benutzer nach spätestens 5 Klicks die Informationen hat, die er eigentlich sucht, auch wenn dies bei sehr umfangreichen Angeboten nicht immer realisiert werden kann. Außerdem sollte man beachten, daß die gleiche Seite bei unterschiedlichen Bildschirmauflösungen und Browsern unter Umständen ganz anders aussehen kann. Auf der sicheren Seite ist man hier, wenn die Seiten für Netscape 3.x und eine Bildschirmauflösung von 1024x768 Punkten optimiert werden.

Fehler, die in der Zeit der Projektplanung gemacht werden, können später nach der Fertigstellung der Seiten nur mit großem Zeit- und auch Kostenaufwand korrigiert und beseitigt werden. Oft machen einen erst die Nutzer des Angebots auf Schwachstellen aufmerksam wie z.B., daß Seiten zu langsam geladen werden, weil Sie wegen unnötigem Ballast zu lange sind oder daß der Webserver zu langsam ist, weil er in Übersee steht oder daß die Navigation auf den Seiten schlecht ist und man sich nicht zurechtfindet. Noch schlimmer ist es allerdings, wenn man gar kein Feedback erhält und die eigenen Seiten einfach ignoriert werden. Die durchschnittliche Verweilzeit auf einer Homepage beträgt 5 Klicks, d.h. wer bis dahin nicht gefunden hat, was er sucht, surft weiter und wird die Seiten unter Umständen nie mehr besuchen. Sehr wichtig zur Beurteilung der Resonanz auf das eigene Angebot ist die Analyse der sogenannten Logfiles. Diese Files werden zur Abrechnung des Datentransfers vom Provider erzeugt, sie liefern aber auch dem Anbieter einer Homepage wichtige Informationen, so zum Beispiel, welche Seiten wie oft geladen wurden und wie stark die Homepage insgesamt frequentiert wird. Auswertungen der Logfiles werden teilweise vom Provider bereitgestellt.

Geht es nun um die konkrete Umsetzung des Webauftritts, stellen sich weitere grundlegende Fragen:

  • Wie soll die Internet-Adresse heißen?
  • Welcher Provider und welche Netzanbindung wird gewählt?
  • Werden alle Arbeiten an einen externe Agentur vergeben oder wird ein eigener Mitarbeiter damit betraut?
  • Wie liegen die Dokumente vor und wie wandelt man sie in webgerechte Vorlagen um?


Provider und Domain

Wichtig für eine wirksame Internetpräsenz ist die Adresse der Homepage im Internet, die sogenannte URL (Uniform Resource Locator). Ideal ist hier eine Adresse der Form www.Firmenname.de. oder www.Firmenname.com. Da jede Adresse im Internet nur einmal vergeben werden kann, da sie weltweit eindeutig sein muß, ist hier Eile geboten. Denn wer hier zu spät kommt, der muß auf eine andere Adresse ausweichen, die dann in der Regel weniger einprägsam ist. Eine eigene Domain (z.B. www.firmenname.de) ist die teuerste Variante, bietet aber die beste Identifikation mit der eigenen Adresse. Kostengünstiger ist ein Webauftritt in einem der vielen Marktplätze im Internet. Hier teilen sich mehrere Firmen einen gemeinsamen virtuellen Server und haben dadurch deutlich geringere Kosten als mit einer eigenen Domain. Die Internet-Adresse kann in diesen Fällen die Form "www.marktplatz.de/Firmenname" haben, beispielsweise www.shop.de/Laden. Hat der Marktplatz einen einprägsamen Namen und sammelt inhaltlich gleiche Anbieter, so kann man dadurch eventuell mehr Besucher auf die eigene Homepage locken. Solche "Communities" oder Special Interest Groups werden eine immer größere Bedeutung im Internet gewinnen.

Daneben gibt es noch weitere Varianten wie z.B. providerspezifische Adressen der Form "members.aol.com/Firmenname", diese sind jedoch nur schwer einprägsam und an einen Provider gebunden. Derartige Lösungen sind zwar kostengünstig, im kommerziellen Bereich aber nicht empfehlenswert.

Die Wahl eines geeigneten Providers ist neben einer einprägsamen Adresse der wichtigste Punkt überhaupt. Der Markt ist in diesem Bereich sehr dynamisch und unübersichtlich. Viele Billig-Provider bieten sehr kostengünstige Zugänge zum Internet, hier stellt sich aber immer die Frage nach der Qualität des Services und der Schnelligkeit der Netzanbindung. Der Webserver sollte bei Inlandsangeboten immer in Deutschland stehen, da nur so schnelle Zugriffszeiten möglich sind. Da der Wettbewerb in diesem Bereich sehr groß ist, sollte eher einer der großen Provider gewählt werden, um hier keine unangenehmen Überraschungen zu erleben. Weiterhin ist ein Preisvergleich sehr empfehlenswert, da es hier zum Teil drastische Unterschiede bei nahezu gleichen Leistungen geben kann. Außerdem sollte genau geprüft werden, welche Zusatzleistungen geboten werden (z.B. Zahl der E-Mail-Accounts, Serverstatistik, FTP-Zugriff auf die eigenen Seiten, Zugriff auf CGI-Scripts u.s.w.). Eine gute Übersicht auch über lokale Provider findet sich unter http://www.focus.de/provider.


Eigenbau oder Internet-Agentur?

Nachdem das Projekt klar gefasst und formuliert ist, geht es nun an die Umsetzung. Eigenkreationen sind nur bei kleinen Auftritten mit relativ wenigen Seiten ratsam. Ab einer bestimmten Größe muß entweder ein Mitarbeiter die Funktion des Webmasters übernehmen oder der komplette Webauftritt wird in die Hände eines Dienstleistungsunternehmens oder des Providers gegeben, wenn dieser solche Zusatzleistungen bietet. Die dauernde Pflege und Aktualisierung der Seiten und die Beantwortung von Anfragen per e-Mail ist sowohl personal- als auch kostenintensiv, dieser Punkt wird aber von Einsteigern oft unterschätzt. Wählt man den Weg über eine Agentur, so liefert man alle Daten und Grafiken an die Agentur, die dann alle weiteren Arbeiten erledigt.

Es stehen mittlerweile eine Reihe hochwertiger Programme zu Verfügung, um Dokumente im HTML-Format, dem Format des Internets, zu erstellen. Neuere Versionen von Textverarbeitungsprogrammen bieten eine Exportmöglichkeit im HTML-Format an. Daneben gibt es eine Reihe spezieller HTML-Editoren, die sich auch für die Umsetzung umfangreicher Internet-Projekte eignen. Genannt seien hier Adobe PageMill, NetObjects Fusion, Corel WebMaster Suite, Hot Metal Pro und Microsoft Frontpage. Die Erstellung von Internetseiten in Eigenregie ist zwar kostengünstiger, ein professionelles Layout ist aber meist nur in Zusammenarbeit mit einer Werbeagentur oder einem Internetdienstleister zu erreichen.


Gestaltung der Seiten

Die Gestaltung der Inhalte der Seiten ist ein wichtiger Punkt. Einfach nur einen Firmenprospekt einzuscannen und ins Netz zu stellen, kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Wie jedes Medium hat auch das Internet seine besonderen Stärken und Schwächen. Der Hauptvorteil neben der globalen Erreichbarkeit ist die Vernetzung von Seiten über sogenannte Hyperlinks. So kann sich der Nutzer gezielt und individuell durch die Seiten durcharbeiten und bei Bedarf Zusatzinformationen anfordern. Auch an grafische Elemente werden besondere Anforderungen hinsichtlich Dateiformat, Farbtiefe und Größe gestellt. Weiterhin sind die Möglichkeit der Interaktivität zwischen Anbieter und Nutzer als großer Vorteil zu sehen, sei es, daß Anfragen zu Produkten per e-Mail möglich sind, sei es, daß Informationsmaterial direkt bestellt werden kann oder sei es, daß der gesamte Produktkatalog ständig aktuell im Netz abgerufen werden kann. Diese Mehrwertdienste machen auch den besonderen Pfiff eines Internetauftritts aus. Das Layout ist zwar wichtig und sollte ansprechen, es soll aber nur die Benutzerführung erleichtern und Appetit machen, und nicht zu einem reinen Selbstzweck werden. Ohne hochwertige Informationen ist das schönste Layout wertlos!

Sind die Seiten erstellt und online, stellt sich noch die Frage, wie man das eigene Angebot bekannt macht.

Neben einem Eintrag in den wichtigsten Suchmaschinen (vgl. LABO 11/97) und in branchenspezifischen Verzeichnissen und Datenbanken sowie einem Linkaustausch mit anderen Firmen oder Zulieferern, ist die Bekanntmachung über Printmedien immer noch das wichtigste Marketinginstrument. Die Schaltung von Werbung mit der eigenen URL ist sicher nur für große Firmen bezahlbar. Für kleinere Unternehmen bietet sich der Abdruck der eigenen Adresse bei der kompletten Kundenkorrespondenz (Briefpapier, Visitenkarten, Firmenprospekt) an.

Schon bald wird im kommerziellen Bereich ein Engagement im Internet so selbstverständlich sein wie heute der Druck eines Firmenprospekts oder die Präsenz auf Messen. Wer daher jetzt startet, ist bestens gerüstet für die zukünftigen Veränderungen, die uns die Informationstechnologien in allen Bereichen des Lebens bringen werden.

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